Luxus auf zwei Rädern

© Storck/Aston Martin

Das Fahrrad entwickelt sich immer mehr vom Fortbewegungsmittel zum Lifestyle- Produkt.

Autor Michael Stoecker

Fahrradfahren liegt im Trend. In Zeiten zunehmender Urbanisierung gilt das Zweirad manchem als Auto der Zukunft. Vielleicht ist das zu hoch gegriffen. Fakt ist jedoch, dass mittlerweile 41 Prozent der Deutschen damit mehrmals pro Woche fahren. Auch Lasten- und Transportfahrräder gewinnen in den Städten an Bedeutung. Und immer mehr Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern Dienstfahrräder an oder laden ihre Kunden zu einem Fahrradevent ein. Denn sich gemeinsam auszupowern und die Natur zu erleben, das verbindet. Dabei muss auf Niveau und Luxus nicht verzichtet werden. Auch Reiseveranstalter haben den Markt längst für sich entdeckt und offerieren ihren Kunden Rundum-sorglos-Pakete: Sportskanonen können Mountainbikes die Sporen geben und anspruchsvolle Routen in Angriff nehmen. Häufig werden mittlerweile auch E-Bikes oder Pedelecs zur Verfügung gestellt.

Die Fahrradbranche boomt

Die Fahrradhersteller können zufrieden sein. 2017 verbuchte die Branche einen Umsatzzuwachs von 3,2 Prozent. Gleichzeitig ist der Verkaufspreis für Fahrräder in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Lag die durchschnittliche Summe 2010 noch bei 460 Euro, waren es 2017 schon 698 Euro. Doch es geht auch deutlich teurer. Auf den Markt kommen immer mehr qualitativ hochwertige Fahrräder, die laut Herstellern „Stil und Persönlichkeit des Besitzers unterstreichen“. Solch ein Gefährt kann leicht 12.000 Euro kosten – dann ist aber auch jedes einzelne Teil vom Rahmen bis zur Lichtanlage von bester Qualität. Rennräder der Spitzenklasse – wie das kanadische  Cervélo „S5“, 7,1 Kilogramm, für rund 11.500 Euro, oder das „Dogma F10 Disk“ aus der italienischen Traditionsschmiede Pinarello mit 7,5 Kilogramm für rund 13.500 Euro bewegen sich zum Beispiel in diesem Rahmen. „Was preislich darüber hinausgeht, hat nichts mehr mit noch aus gefeilterer Technik, sondern mit Prestige und Lifestyle zu tun“, erklärt Chefredakteur und Zweiradexperte Thomas Musch der Fachmagazine „Mybike“ und „Tour“. Das trifft etwa auf das „Storck Fascenario.3 Aston Martin Edition“ zu. Hier trifft Fahrrad- Ingenieurskunst auf einen traditionellen Luxusautomobil-Hersteller. Das Ergebnis: 5,9 Kilogramm perfekt verbaute Hightech-Materialien, streng limitiert, für 18.000 Euro.

Das Material macht den Unterschied

Beim Fahrradbau werden heute modernste Materialien wie Aluminium, Carbon und Titan verwendet. Der pure und reduzierte Look von Titan sowie sein geringes Gewicht kommen vor allem bei Rennrädern zur Verwendung. Bauteile aus Aluminium wiegen wiederum nur etwa ein Drittel von Stahlteilen. Das macht es zum meistverkauften Werkstoff bei Fahrradrahmen und -komponenten. Als „Wunderwaffe“ im Motorsport gilt bereits seit 30 Jahren Carbon. Auch Fahrradhersteller haben das Material für sich entdeckt. Die „Fäden“ der Kohlenstoff-Faser sind zehnmal zugfester als Aluminium. Gleichzeitig ist das Material fünfmal leichter als Stahl.

 

Doch ein Fahrrad aus Carbon kommt schnell in den fünfstelligen Eurobereich. Andere Rahmenbauer setzen seit einigen Jahren auf Bambus nicht nur wegen der Öko-Bilanz, sondern auch wegen seiner hervorragenden Eigenschaften: Bambus zeichnet sich durch eine ähnliche Steifigkeit wie Stahl und ein geringes Gewicht aus. Dazu kommt eine sehr hohe Elastizität, die den Fahrkomfort erhöht. Da Naturfasern jedoch eine besonders sorgfältige Verarbeitung und Pflege benötigen, ist dieser Werkstoff vor allem ein Thema für Liebhaber oder Tüftler. Dennoch bieten einige Hersteller wie my Boo mittlerweile Serienmodelle an.

Bambusfahrräder sind stark im Kommen. Der Rahmen für das Urbanbike von my Boo wird in Ghana im Rahmen eines sozialen Projektes ökologisch nachhaltig und in Handarbeit gefertigt. © my Boo GmbH

Im Trend: der elektrische Antrieb

Anfangs noch als „Rentnergefährt“ belächelt, schreiben Pedelecs und E-Bikes seit einigen Jahren Erfolgsgeschichte. Mehr als 800.000 Fahrräder mit Elektroantrieb wurden laut dem Zweirad-Industrie-Verband 2018 in Deutschland verkauft. Dabei reichen die Modelle vom einfachen Pedelec oder E-Bike bis hin zu E-Mountainbikes, E-Trekking-Rädern und sogar E-Rennrädern. So wollen die Hersteller auch jüngere Menschen für die E-Fahrradgeneration begeistern. Dabei unterstützen Pedelecs den Fahrer nur dann mit Motorkraft, wenn dieser in die Pedale tritt. Das macht selbst sportlich aktiven Menschen Spaß. Ein E-Bike dagegen kann auf Knopfdruck auch ohne menschliche Muskelkraft fahren. Im Hinblick auf die zunehmende Alterung der Gesellschaft ein zukunftsweisendes Produkt. Die Motorunterstützung ermöglicht es Senioren, länger mobil zu bleiben. Ein günstiges Pedelec oder E-Bike ist aktuell für rund 2.700 Euro zu haben und qualitativ einwandfrei. „Billiger sollte es jedoch nicht sein“, empfiehlt Fahrradexperte Musch. „Sonst macht es nicht lange Freude.“ Spitzenmodelle liegen schnell bei 5.000 Euro und darüber je nach Leistungsstärke des Akkus und Ausstattung. 

Digitalisierung steckt auch im Fahrrad

Selbstverständlich gibt es inzwischen auch für Fahrräder eine Vielzahl von sogenannten Smart Gadgets, die Fahrradfahrern den Alltag erleichtern und Spaß machen sollen, wie zum Beispiel Apps mit integrierten Diebstahlsicherungen oder Trainingsprogrammen. Leistungsmesser aus dem Profi-Radsport sind für 3.500 Euro zu haben und liefern dem Biker von der Zahl der Pedaltritte über die Steigung der Strecke bis zur Luftfeuchtigkeit oder Fahrtgeschwindigkeit alles, was er braucht, um sein Trainingsprogramm zu optimieren. Die Innovationsfreude in der Fahrradbranche macht also auch vor dem Zubehör nicht halt. Hightech steckt mittlerweile buchstäblich in jeder Faser eines Bikes.

Digitale Gadgets wie das Cobi-Bike-System machen das Fahrrad zum vollvernetzten Smart Bike. Mit der App lassen sich Routen planen, Leistungsdaten erfassen und vieles mehr. © COBI.Bike GmbH

Luxus auf zwei Rädern

Wie bei allen Liebhaberstücken ist die Preisspanne bei Fahrrädern nach oben offen. Das bisher teuerste Fahrrad der Welt hat das Auktionshaus Sotheby’s 2009 in New York versteigert. Für 500.000 US-Dollar kam das „Butterfly Trek Madone“ unter den Hammer, mit dem Lance Armstrong seine letzte Tour-de-France-Etappe fuhr. Der Designer Damien Hirst hatte auf den Rahmen und die Felgen echte Schmetterlingsflügel fixiert.

Vergleichsweise erschwinglich war dagegen mit 80.000 Euro das „Gold Bike Crystal Edition“, das die dänische Fahrradschmiede Aurumania 2008 auf den Markt gebracht hatte: Stahlrahmen und Stahlgabel wurden komplett mit 24 Karat vergoldet, dazu wurde das edle Teil mit 600 Swarovski-Steinen besetzt. Mit diesem – übrigens auf zehn Exemplare limitierten – Fahrrad haben die Dänen ein Schmuckstück geschaffen, das dennoch praxistauglich ist. Doch Vorsicht vor Kratzern in der Goldschicht!

 


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