Flexibel agieren, thematisch investieren

MarsYu/Getty Images

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2019 wird ein Börsenjahr mit vielen Gesichtern. Politische Themen wie der schwelende Handelskonflikt oder der Ende März  anstehende Brexit werden die Märkte in Atem halten. Darüber hinaus dürfte die EZB nach sieben Jahren endlich ihre Nullzinspolitik beenden.

Autor Chris-Oliver Schickentanz

In die Geschichtsbücher wird 2018 allenfalls als durchwachsenes Anlagejahr eingehen. Zwar konnten globale Aktien in Summe leicht zulegen. Dies war aber fast ausschließlich den US-amerikanischen Technologieaktien geschuldet. Auch bei Anleihen gab es Magerkost. Unter dem Strich stehen hier sogar moderate Wertverluste.

2019: Zahlreiche Bekannte...

Auch 2019 dürfte kein einfaches Kapitalmarktjahr werden. Zwar stehen die konjunkturellen Zeichen weiter auf Aufschwung. Allerdings dürfte die Dynamik auch künftig nachlassen. Insbesondere in China sorgt der Handelskonflikt mit den USA für Verunsicherung und bremst das Wirtschaftswachstum. Auch in den anderen Regionen dürften die Zuwachsraten nicht mehr ganz an das 2018er-Niveau heranreichen. So nehmen in den USA die Positiveffekte aus der Steuerreform ab, während in Europa die politischen Themen (Italien, Brexit) belasten.

... aber auch einiges Neues

Größere Neuigkeiten dürfte es 2019 von den Notenbanken geben. In den USA haben die Währungshüter in den vergangenen Jahren kräftig an der Zinsschraube gedreht. Nach zwei bis drei weiteren Zinserhöhungen in diesem Jahr dürfte der US-Leitzins ein Niveau erreichen, auf dem eine längere Zinspause wahrscheinlich wird. Damit wäre die Zinsnormalisierung nach der Finanz- und Wirtschaftskrise im Land der unbegrenzten Möglichkeiten abgeschlossen. Ironischerweise dürfte die Europäische Zentralbank erst dann mit den ersten zögerlichen Zinsschritten beginnen. Diese dürften extrem vorsichtig erfolgen, sodass wir nicht vor 2023 mit einem Leitzins auf Inflationshöhe rechnen.

„Die nachlassende Konjunkturdynamik dürfte das Ausmaß der Kursgewinne an den Aktienmärkten begrenzen.“

Chris-Oliver Schickentanz,

Chief Investment Officer Commerzbank AG

Was heißt das für die Märkte?

Für die Kapitalmärkte sind das durchwachsene Nachrichten. Zwar spricht der fortgesetzte wirtschaftliche Aufschwung grundsätzlich für Aktien als Anlageklasse, die nachlassende Konjunkturdynamik dürfte das Ausmaß der Kursgewinne aber begrenzen. Zudem dürften die vorhandenen Risiken für eine schwankungsreiche Börsenentwicklung sorgen. An den Anleihemärkten sollte die Kombination aus nachlassenden Notenbank-Käufen und moderat steigenden Inflationsraten für negative Kurseffekte sorgen. Damit bleiben Anleihen kein besonders attraktives Anlageinstrument. Die Euroschwäche des Jahres 2018 dürfte sich so nicht fortsetzen. Eine weitere systematische Abwertung ist unwahrscheinlich. Damit bleiben Immobilien, zum Beispiel in Form offener Immobilienfonds, erste Wahl für den konservativen Anleger.

Was tun?

Für Anleger sind 2019 damit drei Dinge Trumpf: Zum einen gilt es, die eigene Geldanlage breit zu diversifizieren. So lassen sich unnötige Risiken vermeiden beziehungsweise reduzieren. Zum anderen sollten Stellschrauben im Portfolio regelmäßig nachjustiert werden. Breite Streuung und aktive Umschichtungen sind dabei kein Widerspruch. So kann der Schwerpunkt der eigenen Anlage verändert werden, ohne dass die Beimischung anderer Anlageklassen darunter leidet. Drittens sehen wir besondere Chancen in thematischen Investments, die unser Alltagsleben bestimmen und nachhaltig verändern. Dazu zählt beispielsweise die Alterung der Gesellschaft. Sie führt zu substanziellen Verschiebungen bei der Nachfrage und damit zu spezifischen Wachstumschancen. Aber auch die Digitalisierung greift stärker um sich und beeinflusst Geschäftsmodelle. Auch hier entstehen attraktive Potenziale, die sich in den kommenden Monaten und Jahren an den Börsen niederschlagen dürften. 

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