„Loslassen ist nicht so einfach”

Anna Michaelis ist in der Commerzbank zuständig für das Thema Unternehmensnachfolge.

Wenn es darum geht, das eigene Unternehmen in fremde Hände zu übergeben, dann geht das selbst hartgesottenen Firmeninhabern nah, weiß Expertin Anna Michaelis. Dennoch sollte die Unternehmensnachfolge frühzeitig geplant werden.

Autorin Flora Rothe
Fotograf Andreas Henn

Ich habe es schon erlebt, dass ein gestandener Kunde den Raum verlassen hat, als ich das Thema Nachfolge ansprach“, sagt Anna Michaelis, Expertin für Unternehmensnachfolge bei der Commerzbank. Dabei sollten Selbstständige oder Mittelständler die Übergabe ihres Lebenswerkes frühzeitig angehen, um am Ende nicht unter Zeitdruck handeln zu müssen. Denn gerade kleinere Unternehmen haben es häufig sehr schwer, einen passenden Nachfolger zu finden. „Ich kenne kaum ein Thema in der Beratung, das mehr Fingerspitzengefühl erfordert“, weiß Michaelis. Unternehmer reagierten häufig sehr emotional, wenn sie gefordert seien, über das Ende ihrer beruflichen Laufbahn nachzudenken, und unterschätzten den Zeitbedarf, den die geregelte Übergabe erfordere. Michaelis empfiehlt einen Vorlauf von mindestens drei, besser noch fünf bis sieben Jahren. „Wer bereits mit Mitte 50 die Übergabe plant, hat ausreichend Zeit,  zwischen unterschiedlichen Optionen auszuwählen – oder Plan B umzusetzen, wenn Plan A nicht funktioniert. Mit Mitte 60 oder Anfang 70 gerät man unter Zeitdruck und dadurch strategisch in die Defensive.“

Es wird immer schwieriger, einen geeigneten Nachfolger zu finden

Verkäufer haben es schwer auf dem Markt:  Rund 240.000 kleinere und mittlere Unternehmen suchen aktuell in Deutschland einen Nachfolger. Mehr als 500.000 wollen bis 2022 ihr Geschäft übergeben. Etwa 1,4 Millionen Inhaber sind heute schon älter als 55 Jahre. Ein Viertel aller Inhaber werden voraussichtlich bei der geplanten Übergabe über 70 Jahre alt sein.

Doch das Loslassen ist nicht so einfach. Neben dem emotionalen Aspekt gibt es noch viele andere Gründe, warum es kleinen und mittleren inhabergeführten Unternehmen so schwerfällt, dieses Thema anzugehen. Das weiß Michaelis aus zahlreichen Gesprächen mit Firmeninhabern. „Die Unternehmensnachfolge ist ein sehr komplexer Prozess, mit dem man sich ausführlich beschäftigen muss. Das scheuen natürlich vor allem jene Unternehmer, die noch mitten im Beruf stehen und damit vollständig ausgelastet sind.“ Es beginnt mit den Überlegungen zu den unterschiedlichen Nachfolge-Optionen (Familie, Mitarbeiter, Verkauf), dem Ermitteln eines realistischen Unternehmenswertes und der Auseinandersetzung mit den steuerlichen sowie rechtlichen Aspekten. Und das ist nur der Anfang. „Das Finden eines potenziellen Nachfolgers wird immer schwieriger“, so Michaelis. „Ich habe zum Beispiel einige Zahnärzte kennengelernt, die jahrelang erfolglos jemanden gesucht haben, der ihre Praxis übernimmt.“ Viele fühlten sich damit allein gelassen und wüssten nicht, dass sie fachkundige Ansprechpartner bei ihrer Bank finden können. „Die Commerzbank zum Beispiel verfügt über ein riesiges Netzwerk in den unterschiedlichsten Branchen und ist auf die umfassende Begleitung des Nachfolgeprozesses spezialisiert“, erklärt Michaelis.

Neben dem emotionalen Aspekt und der Suche nach einem passenden Nachfolger ist laut Michaelis die Vorgehensweise bei der Nachfolgeplanung – im Sinne eines strukturierten Prozesses – für Firmeninhaber häufig eine große Herausforderung.



Darum wünschen sie sich einen Ansprechpartner, der sie durch alle Phasen der Nachfolgegestaltung begleitet. Denn die Nachfolgeplanung ist „hochgradig individuell“ und lässt sich nicht mit einer universellen Checkliste abarbeiten. Nach Michaelis’ Erfahrung hält der Weg zum Nachfolger für alle Firmeninhaber sieben wesentliche Herausforderungen bereit: Die erste ist, den richtigen Zeitpunkt für das Angehen der Nachfolgeplanung zu finden. Die weiteren sind die Suche nach einem passenden Käufer, das Einhalten eines strukturierten Verkaufsprozesses, die Beachtung der steuerlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen, die Ermittlung des Unternehmenswertes, die Finanzierung durch den Nachfolger und schließlich die Anlage des Verkaufserlöses.

„Firmeninhaber sollten für die Unternehmensnachfolge einen zeitlichen Vorlauf von drei bis sieben Jahren einplanen.“

Anna Michaelis, Expertin für Unternehmens­ nachfolge bei der Commerzbank

„Für alle Themen haben wir in der Commerzbank ausgewiesene Spezialisten, die unsere Kunden gerne dabei unterstützen“, betont Michaelis. Zum Einstieg in das Thema empfiehlt sie die Website www.nachfolge.commerzbank.de. Dort werden nicht nur Informationen bereitgestellt, es gibt auch interessante Hilfsmittel (siehe Kasten).„Für weitere Schritte sollte jedoch der Relationship Manager kontaktiert werden. Er hilft gerne weiter und vermittelt die passenden Ansprechpartner.“
 
 

       

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