Im Sternenhimmel mit Julia Komp

Sie ist die jüngste von insgesamt nur sieben Sterneköchinnen in Deutschland: Julia Komp hat sich im Alter von 27 Jahren ihren ersten Michelin-Stern erkocht. Seit Januar bereist Sie für einige Monate den asiatischen Kontinent auf der Suche nach neuen Inspirationen.

Die Fragen stellte Flora Rothe
Illustration Lorena Addotto

Was essen Sie am liebsten?

Privat mag ich einfaches, gutes Essen – gern in großer Runde. Ich liebe es, mit Familie und Freunden im Garten oder am Strand zu grillen. Fleisch, Fisch, dazu ein Salat und der Geruch von Holzkohle.

Wie wichtig ist Ihnen Essen?

Ich koche wahnsinnig gerne für andere Menschen, habe aber selbst kaum Zeit zu essen. Ich lege Wert auf hochwertige Produkte, das kann aber auch leckeres Streetfood sein.

Was war das Beste, was Sie jemals gegessen haben?

Ein Taco auf einem Markt in New York. Ich hatte Hunger, sah eine Schlange von 50 Menschen und habe mich einfach dazugestellt. Der Taco bestand aus Fleisch, schwarzer Sauce, Avocadocreme, Tomatensalsa und etwas Zitronensaft. Es war die perfekte Symbiose aus scharf, sauer, fruchtig, würzig.

Woher kommt Ihre Leidenschaft für die Küche?

Ich war als Kind im Urlaub mit meinen Großeltern häufig in Hotels mit Spitzenküchen. Mich hat die Hotellerie fasziniert. Mit 14 Jahren habe ich mein erstes Praktikum in einem Tagungshotel gemacht. Am spannendsten fand ich es in der Küche, dort habe ich keine Sekunde auf die Uhr geguckt. Es folgten weitere Praktika bei Mario Kotaska und im Schlosshotel Lerbach. Und ich liebte die Kochshows im Fernsehen.

Wie wichtig ist Ihnen Ihr Michelin-Stern?

Sehr wichtig! Ich bin ein extrem ehrgeiziger Mensch. Wenn ich mir etwas in den Kopf setze, ziehe ich es durch. Für einen Koch ist der Michelin-Stern vergleichbar mit der Olympiamedaille im Sport. Statt schneller, höher, weiter geht es beim Kochen um den noch besseren Geschmack,  die noch größere Harmonie der Komponenten und noch mehr Perfektion.

Woher holen Sie sich Ihre Inspirationen?

Die Gewürze und Speisen im Urlaub inspirieren mich, zum Beispiel in Tunesien, Marokko, Thailand oder Dubai. Diese besonderen Geschmäcker lasse ich in meine Gerichte einfließen. Meine Küche ist leicht, fruchtig, sehr würzig, asiatisch und orientalisch angehaucht.

Wie führen Sie Ihr Team – und was können Manager daraus lernen?

Ich führe mein Team von vier Leuten locker und freundschaftlich. Wir legen gemeinsam das Menü fest und teilen Trinkgelder unter allen zu gleichen Teilen auf. Und wenn der Spüler nicht kommt, wasche ich wie alle anderen auch ab. So habe ich mir Respekt verschafft.

Was möchten Sie noch erreichen?

Vor allen Dingen meine Gäste weiterhin glücklich machen und mit meinem Team einen zweiten Stern erkochen. Vielleicht ja sogar noch einen dritten. In Deutschland gibt es elf Sterneköche mit drei Sternen – bisher alles Männer... 
 

       

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