Von Lübeck über Honolulu nach Lagos?

Die Immobilienmärkte der Zukunft liegen in Asien und Afrika. Lagos in Nigeria könnte zum Beispiel zu den Gewinnern gehören.

Das weltweite Bevölkerungswachstum verändert den Immobilienmarkt. „In 30 Jahren investieren wir vielleicht in Nigeria“, sagt Axel Drwenski von der Commerz Real.

Autorin Flora Rothe

Derzeit leben rund 7,6 Milliarden Menschen auf der Erde. Nach Berechnungen der Vereinten Nationen (UN) wird die Weltbevölkerung bis 2050 um 2,2 Milliarden auf 9,8 Milliarden wachsen. Am stärksten nimmt die Bevölkerung in Afrika zu: Dort wird sich die Anzahl der Menschen in den nächsten 30 Jahren voraussichtlich fast verdoppeln. Aber auch Asien holt auf: Indien wird laut UN-Bericht schon in etwa sieben Jahren das bevölkerungsreichste Land der Erde sein – noch vor China. Und Nigeria wird bis 2050 die USA vom dritten Platz ablösen.

Diese Zahlen haben langfristig erhebliche Auswirkungen auf die Immobilienmärkte. „Das städtische Bevölkerungswachstum ist ein wichtiger Treiber für die Entwicklung des Immobilienmarktes“, erklärt Axel Drwenski, Leiter Research bei der Commerz Real. Laut den UN-Prognosen werden 2030 rund 30 Prozent mehr Menschen in Städten wohnen als heute. Wer jedoch dabei Paris, New York oder das Umland von Berlin oder München vor Augen hat, der liege daneben, stellt Drwenski fest. Ganz vorne beim Wachstum stünden stattdessen Lagos mit voraussichtlich 11,1 Millionen zusätzlichen Einwohnern, Delhi (+10,4 Mio.), Dhaka (+9,8 Mio.) und Kinshasa (+8,5 Mio.). Die erste deutsche Stadt im Wachstumsranking der UN ist München und steht mit 110.000 neuen Einwohnern bis 2030 auf Platz 1.208.

Immobilienanlage ist ein lokales Geschäft

Heute haben Europa und Nordamerika mit knapp 70 Prozent den größten Anteil am Immobilienvermögen. Doch das wird sich ändern. „Der Schwerpunkt der Immobilienwelt wird sich in den kommenden Jahrzehnten nach Asien verlagern“, sagt Drwenski. Dort seien die Treiber am dynamischsten ausgeprägt, nämlich Bevölkerungswachstum, Urbanisierung und Wirtschaftswachstum. „Heute zählt aus Asien nur Japan zu den fünf größten Immobilienmärkten der Welt. In knapp 20 Jahren kommen außerdem China und Indien dazu“, prophezeit der Geograf.

Doch was bedeutet das für die langfristige Immobilienanlage? Drwenski beruhigt: Sorgen um die europäischen und nordamerikanischen Immobilienmärkte müssten sich Anleger nicht machen, da nur ihr Anteil am globalen Immobilienuniversum* schrumpft. „Auch wenn die beiden Kontinente relativ an Bedeutung verlieren, wird sich in dem genannten Zeitraum der Gesamtwert ihrer Immobilien verdoppeln.“ Darum empfiehlt Drwenski Privatanlegern auch nicht, umgehend in die Zukunftsmärkte in Asien oder auf dem afrikanischen Kontinent zu investieren. „Immobilien sind ein sehr lokales Geschäft“, erklärt er. „Um dort erfolgreich anzulegen, muss man die jeweiligen Märkte schon sehr gut kennen und vor allem verstehen.“ Darüber hinaus gebe es dort noch viele Unwägbarkeiten: „Es mangelt an Transparenz, Sicherheit und Professionalität.“ Selbst Immobilienfonds mit ausgewiesenen Experten hielten sich beispielsweise noch mit Beteiligungen in Afrika zurück.

Der Kapitalfluss wird die Märkte verändern

Anders sieht das in ausgewählten Ländern der Region Asien-Pazifik aus, von denen bereits viele die Grundlagen für einen transparenten Markt geschaffen haben: In Japan und Singapur etwa sind viele europäische Fonds Anteilseigner an großen Immobilienobjekten. Auch Hongkong ist laut Drwenski „sehr spannend“. Langfristig jedoch werden Immobilienfonds wie der hausInvest der Commerz Real auch an den großen neuen Märkten nicht vorbeikommen. „Kapital fließt dorthin, wo es Rendite und Anlageobjekte findet. Es sorgt dafür, dass sich die Märkte dort professionalisieren. Über kurz oder lang werden die Anforderungen von Investoren auch von den heute noch unsicheren Ländern erfüllt.“

Wie sich die Einschätzungen von Immobilienmärkten mit der Zeit verändern, zeigt ein Blick zurück auf die Anfänge des offenen Immobilienfonds hausInvest der Commerz Real: Als dieser 1972 aufgelegt wurde, investierte er das Geld der Anleger in Immobilien in Lübeck, Kamp-Lintfort, Flensburg oder Kampen auf Sylt. Knapp 25 Jahre später wagte er als erster deutscher Immobilienfonds den Schritt über die Grenze in die Niederlande. Und heute? Heute ist der hausInvest unter anderem an einer Hotelimmobilie in Honolulu auf Hawaii und am Polizeihauptquartier in Sydney beteiligt. Auch wenn es sich Drwenski eigentlich noch nicht vorstellen kann: „Wer sagt, dass wir in 30 Jahren nicht in Lagos, Dhaka oder Delhi investieren?“

Mehr Informationen unter www.reale-welten.com

       

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