Wasser des Lebens

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Avanciert zum Kultobjekt und Statussymbol, erfreut sich Whisky einer enormen Beliebtheit – bei Genießern wie bei Investoren.

Autorin Julia-Irina Rosenkranz

Knapp 73.000 Euro für eine einzige Flasche gingen jüngst in London über den Auktionstisch. Whisky der Marke Macallan – die teuerste Flasche, die je in Großbritannien verkauft wurde. Nun ist Macallan nicht irgendeine Marke und diese spezielle Flasche war nicht irgendeine Flasche. Die Destillerie ist eine der ältesten lizenzierten Schottlands und ihr Single Malt bei Genießern wie Sammlern heiß begehrt. Die 73.000-Euro-Flasche ist besonders gefragt, weil sie aus der Serie „Macallan in Lalique“ stammt. Die französische Firma Lalique ist berühmt für besondere Glaskreationen, von Parfumflakons bis zu Rolls-Royce-Kühlergrillfiguren. Für Macallan entwarf sie dekorative Flaschen, Macallan befüllte sie mit ihren besten und ältesten Whiskys. Sechs Flaschen, sechs Whiskys: 50, 55, 57, 60, 62 und 65 Jahre alt. Die Londoner Rekordflasche beinhaltet den jüngsten der Serie. Von jeder Sorte wurden jeweils nur zwischen 400 und 470 Flaschen abgefüllt. Ein komplettes Sechser-Flaschen-Set brachte im vergangenen April bei einer Charity-Auktion von Sotheby’s in Hongkong fast eine Million Euro ein.

Der Hype um „Macallan in Lalique“ zeigt: Whisky ist ein Drink mit besonderer Ausstrahlung. Whisky, nach irischer und amerikanischer Schreibweise Whiskey, leitet sich vom gälischen „uisge beatha“ ab, was wörtlich übersetzt „Wasser des Lebens“ bedeutet. „Whisky erfährt derzeit einen unglaublichen Boom“, sagt Heinfried Tacke, Chefredakteur des Fachmagazins „Whisky-Botschafter“. „Es gibt international ein unglaubliches Interesse und viele Länder entdecken sich neu als Whisky-Nationen. Weltweit ist die Nachfrage, gerade nach Single Malt Scotch und Irish Whiskey, massiv gestiegen. Diese Nachfrage kann kaum mehr bedient werden – das lässt die Preise explodieren.“ Dadurch ist Whisky nicht mehr nur für Kenner und Genießer interessant, sondern auch eine attraktive Investmentoption.

So schmecken Schottlands Whisky-Regionen

Die Scotch Whisky Association hat fünf schottische Whisky-Regionen festgelegt, die sich jeweils durch unterschiedliche Charakteristika und Geschmacksmerkmale auszeichnen.

Campbeltown war mit mehr als 30 Destillerien einst Schottlands Whisky-Hauptstadt. Heute gibt es nur noch drei Destillerien, deren Whiskys im Geschmack von fruchtig bis rauchig variieren. Campbeltown wird häu g der weiteren Whisky-Region Highlands zugeordnet. Die Whiskys haben meist einen kräftigen, oft auch torfigen und etwas schwereren Geschmack.

Die Speyside, die Region um den Fluss Spey, liegt ebenfalls in den Highlands, ist aber als eigenständig anerkannt und gilt als Kernland des Whiskys, da dort heute die meisten Destillerien liegen. Die Speyside ist berühmt für ihre runden, wenig kräftigen, feinen und facettenreichen Single Malts, die besonders geeignet für Whisky-Neulinge sind.

Scotch aus den Lowlands, Schottlands südlichster Whisky-Region, ist klassischerweise recht sanft, weich und leicht im Geschmack. Da er kaum bis gar nicht torfig ist, gilt er als ideal für Einsteiger. Zudem wird er oft für sogenannte Blends verwendet, also den Verschnitt verschiedener Whiskys.

Scotch von der Insel Islay ist aufgrund des torfhaltigen Bodens meist sehr torfig, rauchig und kräftig im Geschmack. Die Single Malts, also Whiskys aus einer einzigen Destille (Single) und ausschließlich aus gemälzter Gerste (Malt), von Islay sind wegen dieses besonderen Geschmacks berühmt. Zu den Destillerien auf der kleinen Insel gehören Legenden wie Ardbeg, Bruichladdich und Lagavulin.

© Johner Images/Getty Images

Whisky als Statussymbol

Das gilt insbesondere für Scotch, also Whisky, der aus Schottland kommt. Zum ersten Mal überhaupt wird die Herstellung von Whisky 1494 in einem schottischen Handelsdokument schriftlich erwähnt. Über die Jahrhunderte wurde dort das Verfahren perfektioniert. Zwar besteht der originale Whisky nur aus Gerste, Wasser und Hefe. Aber jeder Produktionsschritt, allein das Mälzen der Gerste, wobei der für das Endprodukt wichtige Zucker entsteht, ist eine Wissenschaft für sich – von der Destillation ganz zu schweigen. Single Malt Scotch, also Scotch aus einer einzigen Destille (Single) und aus gemälzter Gerste (Malt), gilt als Whisky in Reinform und hat aufgrund der einzigartigen schottischen Tradition sowohl eine besondere Qualität als auch ein besonderes Renommee. Zwölf Jahre braucht ein guter Whisky im Schnitt bis zur Reife im Fass, denn je länger die Reife, umso dichter und komplexer der Geschmack. Daher galt der eiserne Grundsatz: „Age matters“ – je länger gereift, desto besser der Whisky.

„Insbesondere Abfüllungen aus stillgelegten Destillen werden
hoch gehandelt.“

Heinfried Tacke, Chefredakteur Whisky-Botschafter

Rares Holz prägt den Geschmack

Diesen Grundsatz schützt eine europäische Whisky-Verordnung. Mindestens drei Jahre muss ein Destillat gereift sein, um den Namen Whisky zu tragen. Werden Whiskys gemischt und ein Alter angegeben, zählt das Alter des jüngsten Destillats. „Mittlerweile verzichten daher mehr und mehr Hersteller ganz auf eine Altersangabe“, sagt Tim Tünnermann, Szenekenner und Besitzer des Whiskyfachgeschäftes Whiskybotschaft im niederrheinischen Kerken. „Die Lager der marktführenden Anbieter sind leer, was gute und alte Whiskys angeht, und die Neuproduktion braucht Zeit. Daher liegen sogenannte No-Age-Statement-Abfüllungen (NAS) im Trend.“ Diese Flaschen geben keine Auskunft darüber, wie viel länger als drei Jahre der Inhalt gereift ist. Stattdessen klassifizieren die Hersteller ihre Sorten auf andere Weise. So wie die Marke Johnny Walker, die seit jeher Farblabel nutzt, um ihre Qualitäten auszuweisen. Selbst die Traditionsmarke Macallan verzichtet mittlerweile teilweise auf Altersangaben. Whisky ist kein Produkt, das sich schnell produzieren lässt, und eine kurzfristige Reaktion auf eine Veränderung der Nachfrage ist unmöglich. Daher nutzen Hersteller NAS, um ihren Output zu erhöhen.

„Traditionalisten stehen diesem NAS-Trend kritisch gegenüber“, sagt Tünnermann. „NAS sind nicht per se schlecht, allerdings ist es problematisch, dass sie mitunter so teuer sind wie Whiskys mit Altersangabe.“ Ein reiner 18-jähriger Scotch sei eben qualitativ hochwertiger als eine Mischung aus drei- und fünfjährigen Whiskys. „Und das sollte sich auch im Preis zeigen“, findet der Experte. Außer dem Alter und der destillierten Reinheit ist für die Qualität des Whiskys vor allem eines entscheidend: das Fass. „Grundsätzlich lagert Whisky in Eichenholzfässern“, erklärt Markus Eder, Fassbauer aus Bad Dürkheim. „Jedes Fass verleiht seinem Whisky eine eigene Note. Bis zu 70 Prozent des Geschmacks bekommt der Whisky durch die Reifung im Fass.“ Auch ob das Fass neu ist oder vorher Sherry, Portwein, Bourbon oder Wein in ihm gelagert wurde, beeinflusse den Geschmack. „Insgesamt bevorzugen Destillateure Sherry- und Portwein-Fässer für die Whisky-Reife“, so Eder. „Allerdings ist der Konsum von Sherry und Portwein nicht im gleichen Maße gestiegen wie der Whisky-Absatz. Daher sind die Fässer zunehmend rar und teuer.“ Auch Macallan Single Malt Scotch reifte traditionell in Fässern, in denen zuvor Sherry lagerte, nun greift die Destillerie mehr und mehr auf Bourbon-Fässer zurück. Durch die Kombination verschiedener Sherry- und Bourbon-Fässer bekommen die Whiskys unterschiedliche Farbnuancen, die Macallan mit Gold, Amber, Sienna und Ruby bezeichnet.

„Diese Entwicklungen haben zur Folge, dass ohnehin schon begehrte, alte Single Malt Scotches noch begehrter werden“, sagt Fachjournalist Heinfried Tacke. „Insbesondere Abfüllungen aus stillgelegten oder von alters her legendären Destillen werden hoch gehandelt.“ Die Destillerie Brora beispielsweise musste in der Krise der 1980er-Jahre schließen. Jahr für Jahr kommen zwar noch Abfüllungen auf den Markt, diese sind aber streng limitiert, denn das verbliebene Fasslager ist nahezu aufgebraucht. Eine Flasche Brora Scotch ist kaum für weniger als 1.000 Euro zu bekommen – und die Preise dürften weiter steigen, erwarten Kenner.

Ein Wert jenseits des Monetären

Die schottische Firma Rare Whisky 101 beobachtet seit 2008 die Preisentwicklung seltener Whiskys auf dem britischen Sekundärmarkt, vor allem bei Auktionen, und illustriert diese anhand verschiedener Indizes. „Der RW Apex 1000 beispielsweise beinhaltet die 1.000 am meisten nachgefragten Flaschen an Single Malt Scotch“, erklärt Whisky-Händler Tim Tünnermann. Seit 2008 hat sich der Index versechsfacht. Und ein Ende dieses Booms ist nicht in Sicht. Jedenfalls, solange das Angebot alter Whiskys, egal ob noch im Fass oder bereits abgefüllt, immer knapper und der Hype um die Spirituose immer stärker wird. Daher bieten sowohl die Firma Rare Whisky 101 (www.rarewhisky101.com) als auch Tim Tünnermann (www.whisky-investments.de) wie auch einige andere Anbieter Unterstützung bei einem Investment in Whiskys an.

Die Experten beraten Interessenten, bei welchen Whiskys eine Wertsteigerung zu erwarten ist und sich ein Kauf entsprechend lohnt. Sie helfen bei der Auswahl und testen Whiskys auf ihre Echtheit. „Teure, seltene Flaschen sind ein beliebtes Geschäft für Fälscher“, sagt Tünnermann. „Die füllen die leere Originalflasche mit billigem Fusel.“ Tünnermann bietet mit seiner Firma Whisky Investments den zusätzlichen Service, die teuren Flaschen für Investoren zu lagern und zu versichern. „Flaschen im Gesamtwert von mehreren zehntausend Euro zu Hause aufzubewahren, birgt ein gewisses Risiko“, erklärt Tünnermann. Über die schottische Firma Rare Whisky 101 können Investoren in das „Wasser des Lebens“ investieren, bevor es abgefüllt ist. Die Nachfrage nach der schottischen Spirituose ist so hoch, dass sie sich sogar schon auf noch in den Fässern reifenden Whisky erstreckt. Das zeigt die besondere Faszination dieser Spirituose: Ein Scotch, hergestellt nach jahrhundertealter Tradition, im sorgfältig ausgewählten Fass über Jahrzehnte gereift, hat einen Wert jenseits des Monetären.

Teuer, teurer, Single Malt Scotch
Indexierte Wertentwicklung des Rare Whisky Apex 1000 Index (in %)

 
Quelle: Rare Whisky 101 | Stand: 30.10.2017

       

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