Neues Jahr neue Richtlinien

Neues Jahr, neue Richtlinien

Im neuen Jahr ändert sich einiges für Investoren und Bankkunden. Der Überblick.

Autor Sandro Calabruso

Das Jahr beginnt spannend, denn seit Januar sind zahlreiche Reformen in Kraft, die Anleger und Bankkunden kennen sollten. Hinter trocken anmutenden Begriffen wie „Finanzmarktrichtlinie“, „Zahlungsdiensterichtlinie“ und „Investmentsteuerreform“ verbergen sich tiefgehende Veränderungen, die unter anderem die Beratung von Investoren, die Besteuerung von Fonds und den allgemeinen Zahlungsverkehr betreffen. Was die neuen Gesetze und Richtlinien im Detail bedeuten, wer genau betroffen ist und welche konkreten Auswirkungen die Reformen letztlich haben, erfahren Sie auf diesen Seiten.

Finanzmarktrichtlinien "MiFID II"

3.1.2018

Mehr Transparenz durch „MiFID II“

Anleger stärker zu schützen – das ist eines der Ziele der Finanzmarktrichtlinie „MiFID II“, die am 3. Januar 2018 in Kraft getreten ist. Das hat Auswirkungen auf den Beratungsprozess: Für jedes Wertpapier müssen Anbieter künftig anhand verschiedener Kriterien einen Zielmarkt festlegen. Dieser Zielmarkt wird mit dem vorher ermittelten Anlegerprofil des Kunden verglichen. Eine Empfehlung eines Wertpapiers ist nur möglich, wenn Anlegerprofil und Produkt zusammenpassen. Zielsetzung ist, dem Kunden nur Produkte anzubieten, die zu seiner Anlagestrategie und seinem Risikoprofil passen.

100 % Kostentransparenz

Alle Kosten auf einen Blick

Die Commerzbank informiert ihre Kunden ab dem neuen Jahr vor jedem Wertpapiergeschäft noch umfassender über alle anfallenden Kosten. Außerdem profitieren Investoren von neuen Reportings: Kunden erhalten einen vierteljährlichen Bestandsreport über ihr Depot. Ein jährlicher Kostenbericht gibt ihnen darüber hinaus künftig einen Überblick, welche Kosten im zurückliegenden Jahr angefallen sind.

ALLE Wertpapiertelefonate werden aufgezeichnet

ALLE Wertpapiertelefonate werden aufgezeichnet

Aufzeichnungen von Telefongesprächen, die zu einer Order führen können, sind für die Commerzbank durch MiFID II verpflichtend. Vor jedem Telefonat wird der Kunde darüber in Kenntnis gesetzt. Lehnt dieser eine Aufzeichnung ab, kann der Berater keine Themen erörtern, die einen konkreten Bezug zu Finanzinstrumenten haben oder zu einer Order führen können. Die Mitschnitte können Kunden auf Nachfrage innerhalb einer Frist von fünf Jahren zur Verfügung gestellt werden.

MiFID II einfach erklärt

Zahlungsdiensterichtlinie "PSD2"

13.1.2018 Neuerungen im Zahlungsverkehr

„PSD2“ – überarbeitete Richtlinie für Zahlungsverkehrsdienst
Auswirkungen für alle Bankkunden hat die überarbeitete Zahlungsdiensterichtlinie (kurz PSD2). Mit einer entsprechenden Autorisierung durch die Kunden müssen Banken künftig auch dritten Zahlungsdienstleistern einen direkten Zugri auf deren Konten und Nutzerdaten ermöglichen. Somit können Kunden über diese Drittdienste zum Beispiel aggregiert Kontoinformationen ihrer Bankverbindungen abrufen oder Zahlungen auslösen.

Verbesserung des Verbraucherschutzes
Bankkunden müssen dafür allerdings explizit eine Erlaubnis zur Weitergabe ihrer Daten geben. Institute dürfen die Kundendaten nur für den von einem dritten Zahlungsdienstleister angefragten Zweck herausgeben. Zudem ist der Kunde in Zukunft stärker geschützt: Kommt es zu einer nicht autorisierten Zahlung, muss der Zahlungsdienstleister dem Kunden den Betrag bis zum Ende des nächsten Geschäftstages wieder gutschreiben. Die gesetzliche Haftungsgrenze für nicht autorisierte elektronische Zahlungen wird dabei für Verbraucher reduziert. Bislang mussten sie 150 Euro selbst tragen, künftig nur noch 50 Euro. Zahlungsdienstleister sind außerdem verpflichtet, ausschließlich Verfahren für die Abfrage von Kontoinformationen und die Beauftragung von Zahlungen anzubieten, die eine „starke Kundenauthentifizierung“ verlangen – das kann etwa eine Kombination aus Passwort und photoTAN oder mobileTAN sein.

Investmentsteuerreformgesetz

Bis zu 80 % Teilfreistellung je nach Fondsart

Körperschaftsteuer – Gleichbehandlung für in- und ausländische Investmentfonds

Seit dem 1. Januar 2018 unterliegen in- und ausländische Investmentfonds mit inländischen Dividenden, Mieterträgen sowie Gewinnen aus der Veräußerung von inländischen Immobilien der Körperschaftsteuer. Zur Abmilderung einer erneuten Besteuerung der Investmenterträge auf Anlegerebene wurden zum 1. Januar 2018 Teilfreistellungssätze eingeführt. Diese werden bei der Ermittlung der Bemessungsgrundlage für die Kapitalertragsteuer steuermindernd berücksichtigt.

Wie hoch die Teilfreistellung für Privatanleger ist, hängt von der Art des Investmentfonds ab:

  • Bei Aktienfonds (mindestens 51 Prozent Kapitalbeteiligungen): Teilfreistellung von 30 Prozent
  • Bei Mischfonds (zwischen 25 Prozent und 51 Prozent Kapitalbeteiligungen): Teilfreistellung von 15 Prozent
  • Bei Immobilienfonds (mindestens 51 Prozent in- und ausländisches Immobilienvermögen): Teilfreistellung von 60 Prozent
  • Bei Immobilienfonds (mindestens 51 Prozent ausländisches Immobilienvermögen): Teilfreistellung von 80 Prozent

100.000 Euro Freibetrag

Der Bestandsschutz (steuerfreie Kursgewinne) für Alt-Anteile, die nicht im Betriebsvermögen gehalten werden und die vor dem 1. Januar 2009 erworben wurden („bestandsgeschützte Alt-Anteile“), endete am 31. Dezember 2017. Die bis zu diesem Zeitpunkt eingetretene Wertentwicklung bleibt aber auch bei einer späteren Veräußerung dieser Investmentanteile steuerfrei. Für realisierte Kursgewinne, die ab dem 1. Januar 2018 bis zur Veräußerung der Investmentanteile anfallen, wird ein Freibetrag in Höhe von 100.000 Euro pro Person gewährt. Dieser Freibetrag muss im Rahmen der individuellen Steuererklärung geltend gemacht werden.

       

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