Folgen Sie nicht dem Trend!

Der Siegeszug von Facebook, Twitter & Co. hat die Welt der Kapitalmärkte verändert. Plötzlich sind schwarmbasierte Anlagemodelle in Mode. Doch sind sie auch sinnvoll?

Autor Chris-Oliver Schickentanz

Wenn sich eine größere Community im Internet über Anlageentscheidungen austauscht, machen einige Software-Angebote einen Trend aus. Sie informieren Anleger, damit der Einzelne profitieren kann. Institutionelle Anleger wie Fondsmanager, Pensionskassen oder Versicherungen gehen gezielt einen anderen Weg. Sie versuchen das Gegenteil von dem zu tun, was die Masse macht. Denn antizyklisches Investieren hat auf lange Sicht mehr Sinn, als mit dem Strom zu schwimmen.

Chris-Oliver Schickentanz

Psychologen setzen sich seit Jahrzehnten intensiv mit dem Anlageverhalten von Privat­personen auseinander. Investitionsentschei­dungen sind ideal, um Muster im Entscheidungs­verhalten zu identifizieren. Schließlich treffen Menschen bei der Geldanlage Entscheidungen, die einen ernsten Hintergrund haben, nicht leichtfertig fallen und mehrfach im Jahr anste­hen. Eine Kernerkenntnis der Forscher: Privat­anleger investieren in der Regel zu spät. Sie trauen steigenden Kursen nicht und warten, bis sich die letzte Wolke am Börsenhimmel verzogen hat. Doch dann ist der erste Teil der Aufwärts­bewegung verpasst und die Performance des Depots lässt zu wünschen übrig.

Die typische Angst privater Anleger

Das Verhalten der Privatanleger lässt sich erklären: Viele stellen Sicherheit bei der Geldan­lage über alles und wollen böse Überraschungen vermeiden. Der typische Börsenzyklus beginnt aber meist in einer Phase, in der es realwirt­schaftlich düster aussieht. Es ist das Prinzip Hoffnung, das die Märkte am Anfang nach oben katapultiert. Nämlich dann, wenn die ersten Anleger daran glauben, dass das Schlimmste überstanden ist. In dieser ersten Aufschwung­phase braucht es Mut. Denn meist steckt den Anlegern noch die Rezession in den Knochen. So erlebt im Frühjahr 2009: Die Finanz- und Wirt­schaftskrise köchelte, die Weltwirtschaft befand sich in einem heftigen Abschwung. Trotzdem markierte der März den Wendepunkt an den Börsen – weil die ersten Profi-Anleger aus der Deckung kamen und die durch die Krise billig gewordenen Aktien einsammelten. Privatanleger tun sich in dieser Phase schwer, substanziell Gelder in den Kapitalmarkt zu stecken. Zu groß ist die Angst, dass die Investition schiefgehen könnte. Empirisch zeigt sich aber: Wer zu Zeiten extrem pessimistischer Erwartungen investiert, erzielt meist eine überdurchschnittliche Performance. Mitunter reicht eine Positivnachricht aus, um die Kurse zu beflügeln. Der deutsch-österrei­chische Soziologe Helmut Schoeck brachte es auf den Punkt: „Das größte Risiko unserer Zeit ist es, keine Risiken eingehen zu wollen.“

Was bei gefallenen Kursen funktioniert, gilt auch nach starken Kursanstiegen. Eine euphorische Stimmung unter Börsianern ist selten gut. Wenn Euphorie herrscht, sind alle bereits kräftig in Aktien investiert und haben entsprechend hohe Erwartungen an Konjunktur, Unternehmens­gewinne und Politik. Leider geht das selten lange gut, erste Enttäuschungen bringen die Stimmung schnell zum Kippen. Die Folge: eine Verkaufs­welle mit deutlich sinkenden Kursen.
 

„Ein extremer Optimismus lässt binnen Monatsfrist eine Trendwende nach unten erwarten.“
Chris-Oliver Schickentanz, Chief Investment Officer Commerzbank AG
 
 

Handeln bei extremen Stimmungslagen

Wenn Stimmungen also ein vergleichsweise guter Kontraindikator sind, wie lässt sich dann das Sentiment an der Börse messen? Einige Analysten schauen sich an, wie offensiv Anleger aufgestellt sind, vor allem am Terminmarkt: Je stärker sich institutionelle Anleger gegen fallende Kurse absichern, desto vorsichtiger ist die Stimmung. Andere befragen Fondsmanager nach ihrer Meinung. Und wieder andere nutzen die Volatilität an den Märkten, um daraus auf die Stimmung zu schließen. In der Commerzbank setzen wir einen bewährten Stimmungsindikator ein, den Ned Davis Sentiment-Indikator. Er wird täglich anhand vieler Daten ermittelt und bietet ein verlässliches Signal. Es lassen sich drei Signalzonen unterscheiden: Extremer Pessimis­mus spricht mit hoher Wahrscheinlichkeit für eine Trendumkehr innerhalb weniger Wochen und steigende Kurse. Ein breiter Neutralbereich bleibt ohne Aussagekraft. Ein extremer Optimis­mus hingegen lässt binnen Monatsfrist eine Trendwende nach unten erwarten. Wer solche Stimmungsdaten in seine Anlageentscheidungen einbezieht, wird auf lange Sicht eine deutlich bessere Wertentwicklung erzielen als Anleger, die blind der Masse folgen.


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