Faszination Maschine

Eine Probefahrt reichte aus, um sie zu über­zeugen: Alejandra Schneider ist nicht nur Porsche-Fan, sondern auch erfolgreiche Motorsportfahrerin.

Autorin Flora Rothe

Das metallische „Klack, klack, klack“, wenn Alejandra Schneider ihren weißen Porsche GT3 einen Gang höherschaltet, verursacht bei ihr selbst nach sechs Jahren im Motorsport immer noch Gänsehaut. Da hilft auch der warme Renn­anzug nicht, den sie trotz 30 Grad im Schatten trägt. Schneider sitzt mit einem 6-Punkt-Gurt fest gesichert im tiefen Sportsitz und schaut hochkonzentriert auf die Strecke. Normalerweise bewegt sie ihren GT3 nur auf der Rennstrecke, denn: „So eine Maschine ist wie ein unbändiges Tier, das man beherrschen muss“, erklärt die Jahressiegerin 2016 im Porsche Club Cup in der Kategorie der Damen. „Das hat mit dem üblichen Autofahren wenig zu tun.“

Ihr „Baby“, wie sie es nennt, hat 475 PS und kommt auf 9.000 Umdrehungen pro Minute. Das röhrende Geräusch des Motors, wenn Schneider auf das Gaspedal tritt, mag manchem einfach nur laut vorkommen, für viele Porsche-Liebhaber aber ist es Kult. Auf den Porsche gekommen sind Schneider und ihr Mann vor etwa sieben Jahren. Den Impuls gab ihr damals dreijähriger Sohn. Der bestand darauf, mindestens einmal die Woche im nahe gelegenen Porschezentrum einen Halt einzulegen, weil er dort sein Spiel­zeugauto in Groß bestaunen wollte. Irgendwann überredete ein Verkäufer das Paar zu einer Probe­fahrt. In der kurvigen Schwäbischen Alb geschah es um die Schneiders: Noch am selben Tag bestellten sie ihren ersten Porsche, einen 911er.

Der weiße GT3 ist mit 475 PS nicht besonders alltagstaug­lich, er ist für die Rennstrecke konzipiert. Seit 2011 ist Alejandra Schneider regel­mäßig auf Rennstrecken unterwegs.

Auf internationalen Rennstrecken unterwegs

In der Kurve gibt Schneider Gas. „Auf der Renn­strecke bremst man nur, wenn das Lenkrad gerade ist, also vor der Kurve“, erklärt sie. Die Immobilieninvestorin und lnterior-Designerin weiß, wovon sie spricht, denn seit 2011 ist sie regelmäßig auf internationalen Parcours wie Hockenheimring, Lausitzring, Red Bull Ring oder Spa-Francorchamps unterwegs – nicht als Profi –, aber als Amateurfahrerin oft im Rahmen der Porsche Club Sport Serien. Seit 2004 bietet der Autohersteller im Rahmen des Porsche Sports Cup motorsportbegeisterten Porsche­-Fans, Renneinsteigern und semiprofes­sionellen Rennfahrern die Chance, ihre Lust am Porschefahren auf den herausforderndsten Pisten auszuleben inklusive Sprintrennen, Langstrecke, Boxenstopp, Fahrerwechsel und Überholmanöver. Die Wertungen und Rennserien sind eine Herausforderung. Wer es nicht selbst einmal erlebt hat, weiß nicht, wie körperlich anstrengend Rennen sind. Selbst eine halbe Stunde erfordert höchste Konzentration und Körperspannung. „Man fährt durch­gehend am Limit“, erklärt Schneider. „Dabei kämpft man vor allem gegen sich selbst.“ Eine kurze Unaufmerk­samkeit kann schnell sehr gefährlich werden. Mit Fitnesstraining, Kraftsport und Joggen hält sie sich fit für diese Belastung.

Den ersten Schritt Richtung Motorsport haben Schneiders im Porsche Club Deutschland bei Trainings getan, um das Fahrzeug beherrschen zu lernen. Dabei ist es gar nicht die Geschwindigkeit, die für Alejandra Schneider den Reiz des Fahrens ausmacht. Es sind die Kontrolle über die kraftvolle Maschine und die Fahrtechnik. Nach einem intensiven Training auf der Rennstrecke kontrolliert sie mithilfe von Systemen, die an die Elektronik des Autos gekoppelt sind, die Daten: Welche Fahrfehler hat sie gemacht, hat sie die Ideallinie getroffen und immer die volle Drehzahl ausgenutzt?

Ihr Ehemann macht sich bei all dem keine Sorgen um seine Frau: „Sie fährt immer kontrolliert, mit sehr viel Gefühl und nie über dem Limit oder auf der letzten Rille. Schließlich geht es um nichts. Wir finanzieren ja nicht mit dem Motorsport unseren Familienunterhalt.“ Auch das Familien­auto ist ein Porsche: „Die Marke steht für sportives Fahren, ein cooles Design und eine klare Form­gebung – ich liebe es“, sagt Alejandra Schneider. Im Motorsport schaltet sie allerdings dieses Jahr ein oder zwei Gänge runter. „Das Hobby soll ja nicht in Stress ausarten“, sagt sie. Einen Traum hat das Paar aber noch: einmal zusammen mit guten Freunden ein Langstreckenrennen zu bestreiten – gerne auch in Übersee. Vielleicht in den nächsten Jahren.

 

       

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