Glanzstücke vom Meeresgrund

Perlen sind en vogue. Und kostbar: Die teuerste ist 11,8 Millionen US-Dollar wert.

Autorin Julia-Irina Rosenkranz

Auf den Catwalks haben sie in diesem Jahr ein Come­back erlebt: Perlen schmückten Ohren, Handtaschen und als Zierstickerei die Kleidungsstücke der Models von Prada über Mulberry bis Chanel. Tatsächlich faszinieren die „Tränen der Götter“, wofür die alten Perser sie hielten, die Menschen seit jeher: Schon in der Bibel sind Perlen erwähnt. Von der Antike bis heute schmücken sich Mäch­tige und Wohlhabende mit ihnen. „Über Jahrhunderte war die Nachfrage nach Perlen unglaublich hoch“, bestätigt Stephan Lindner, Geschäftsführer des traditionsreichen Münchner Juweliers Fridrich. Im Mittelalter erlagen Majestäten ihrer Schönheit, Königin Elizabeth I. soll mehr als 3.000 perlenbestickte Kleider besessen haben. „Es wurde so viel Gold für Perlen ausgegeben, dass in England, Frankreich und Deutschland ab dem 14. Jahrhundert Perlengesetze erlassen wurden, um den Abfluss des Goldes zu stoppen“, sagt Lindner.

Aufgrund der immensen Beliebtheit versuchten viele, was Anfang des 20. Jahrhunderts dem Japaner Kokichi Mikimoto schließlich gelang: die Zucht einer vollkommen runden Perle. „Das war eine Revolution“, so der Perlenexperte. „Denn die Suche nach Naturperlen ist sehr aufwendig und der Nachweis, dass es sich tatsächlich um eine Naturperle handelt, noch aufwendiger.“ Neue Naturperlen sind heute nicht mehr zu bekommen, denn sie werden nicht mehr gesucht. Die wenigen historischen Exemplare sind ent­sprechend rar und wertvoll. Wer eine Naturperle in seinem Besitz hat, sollte sie einmal im Jahr zu einem Juwelier zur Pflege bringen und selten tragen, empfiehlt Lindner.

La Regente: Die fünftgrößte bekannte Perle der Welt wurde bei Christie’s 2005 für 2,5 Millionen US­-Dollar versteigert.

Groß, gleichmäßig und glänzend soll sie sein

Wirkt der Mensch in die Entstehung ein, spricht man von Zuchtperlen. Die Perle wächst in einer Muschel heran, ist somit ein Natur-, aber kein Zufallsprodukt. „Die Erfolgsquote ist gering, nur in jeder zehnten Muschel entsteht tatsächlich eine Perle – davon vielleicht eine mit Top-Qualität“, so Lindner. Zuchtperlen sind daher sehr teuer – eine einzelne kostet schnell mehrere hundert Euro – und nicht mit billigen Kunstperlen zu verwechseln. Für Zucht- und Naturperlen gelten dieselben Qualitätsmerkmale: Wer eine Perle kauft, sollte darauf achten, dass sie gleichmäßig geformt und ihre Oberfläche makellos ist. Die Größe spielt ebenfalls eine Rolle – je größer, umso wertvoller. Auch besondere Färbun­gen erhöhen den Preis. Ganz wichtig ist der Glanz, Lüster genannt: Fast metallisch sollte er sein. Nicht umsonst be­deutet der persische Name der Perlen „Kinder des Lichts“.

Die in Schmuck eingefasste Perle La Regente erfüllt diese Kriterien in Perfektion und galt lange als die teuerste der Welt. Einst hatte sie Napoleon Bonaparte seiner zweiten Frau Marie-Louise geschenkt; 2005 wurde sie bei Christie's für 2,5 Millionen US-Dollar versteigert. „Schmuck aus Naturperlen ist mittlerweile antiquarisch. Wenn überhaupt, wird er über Auktionen verkauft“, erklärt Lindner. Die Perle La Peregrina übertraf dies noch. Sie gehörte unter anderem Maria Tudor und Elizabeth Taylor. In deren Nachlass wurde sie 2011 versteigert. Geschätzt auf mehr als zwei Millionen, brachte sie es schließlich auf 11,8 Millionen US-Dollar – bis heute ein Rekord.

Die wichtigsten Perlenarten

Süßwasserperle: Sie wird hauptsächlich in China gezüchtet, ist in der Regel ungleichmäßig geformt und hat oft einen grünlichen bis gelblichen Farbstich, sodass sie gebleicht wird. Es gibt sie in verschiedenen Größen bis zu einem Durchmesser von etwa 12 Millimetern. Süßwasserperlen sind weit verbreitet. Eine Perlenkette mit einer Länge von circa 42 Zentimetern kostet zwischen 200 Euro und 2.000 Euro, je nach Qualität der Perlen.

Akoyaperle: Die japanische, zuerst von Mikimoto gezüchtete Akoyaperle ist die bekannteste, weil älteste Zuchtperle. Sie wird zwei bis zehn Millimeter groß und ihre Farben reichen von strahlend weiß über roséfarben bis zu silbergrau. Das macht die Akoyaperle hochwertig: Hier kostet eine Kette zwischen 500 und 9.000 Euro, bei perfekter Qualität sogar bis zu 15.000 Euro.

Tahitiperle: Die Austern, in denen die Tahitiperle gezüchtet wird, tragen auch den Namen „Black Lip Oyster“. Ihre dunkle Färbung überträgt sich auf ihre Perlen, die es in Farben von grau über violett und blau bis schwarz gibt. Dank dieser besonderen Färbung ist auch die Tahitiperle hochwertiger als die Süßwasserperle. Die Preise liegen zwischen 1.500 und 15.000 Euro. Im Schnitt ist sie etwa 12 Millimeter groß.

Südseeperle: Die Südseeperle wächst in Austern vor der Küste von Indonesien und Nordaustralien. Die Muscheln werden mit bis zu 30 Zentimetern außergewöhnlich groß. Dadurch können auch die Perlen mehr als 20 Millimeter im Durchmesser erreichen. Sie sind silbrig-weiß, zuweilen auch goldfarben, und sehr selten. Daher sind Preise von 100.000 Euro und mehr nicht ungewöhnlich.

 

       

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